Ein etwas anderer Messebericht

Das Autorensofa ist euch ja nun ein Begriff (siehe meinen letzten Beitrag). Nach einer Verschnaufpause inklusive Ausschlafen und Zahnarztbesuch hier mein sehr subjektiver, persönlich gefärbter und keineswegs zu verallgemeinernder Bericht von der Frankfurter Buchmesse:

Mittwoch, 14.10.:image

Au Mann, bin ich aufgeregt. Morgen früh geht es los, und ich lese schon die ersten Beiträge meiner Mitstreiterinnen vom Standaufbau und der ersten (improvisierten) Standparty! Was macht es da, dass ich nach einem eilig dazwischengeschobenen Friseurbesuch noch im Stau stehe?

Donnerstag, 15.10., 5:30 Uhr:

Der Wecker klingelt mich aus einer schlaflosen Nacht. Ein Kratzen im Hals signalisiert mir, dass ich lieber liegen bleiben sollte. Doch ich ignoriere das, schließlich ist Frankfurt nur einmal im Jahr (wie meine liebe Katja Piel gesanglich bestätigen kann).

Am Flughafen treffe ich drei Mitreisende: Katharina Deffland, Sabine Landgraeber und Anja Beyer. Erstes Händeschütteln mit Kollegen, die ich bisher nur virtuell kannte. Wir plaudern (oder sollte ich sagen „schnattern aufgeregt“?) über unsere Vorbereitungen, die Messe und unsere Pläne.

Ein gefühlt kilometerlanger Fußmarsch schließt sich an unsere Landung auf dem Frankfurter Flughafen an. Bereits am Gepäckband wird klar: Ich habe die falschen Schuhe mit!

Diese Befürchtung bestätigt sich beim Umherirren auf S- und U-Bahnhöfen, immer mit einem Koffer im Schlepptau, in dem sich das Gepäck auf wundersame Weise in Backsteine verwandelt zu haben scheint. Wir hetzen direkt zur Messe, mein erster Termin dort ist bereits um 12:00 Uhr. Natürlich betreten wir die Messe am falschen Ende, und unser Gepäck geben wir an einer Garderobe ab, die einen weiteren gefühlten Kilometer von unserem Stand entfernt ist.

Es folgt die Suche nach Halle 3.0, Stand A138. Inzwischen ist es 11:55 Uhr, und trotz beginnender Fußschmerzen beschleunigen wir unsere Schritte. Ahh, endlich! Die Halle. Noch ist in den Gängen genügend Platz, um nicht drängeln zu müssen, und um exakt 11:59 Uhr kommt der Stand in Sicht.

„Ahhhhh!“ Wir staunen über das, was die Kolleginnen gezaubert haben: Allein das rote Sofa ist schon der Hammer. Und die vielen Bücher und Stehtische und Kollegen mit ihren schicken Buttons am Revers. Eine Begrüßungsorgie findet statt. Wir sind begeistert von unserem Stand! So schön hatten wir es uns gar nicht vorgestellt.

Von Anfang an sind das Sofa und seine Besitzer von (Fach-)Besuchern umringt, zwischen dem Einräumen unserer Goodies, dem Packen von Giveaway-Tütchen und dem Hin- und Herschieben der bei 40 weiblichen Autorinnen unvermeidlichen Handtaschen komme ich kaum dazu, mich mit den Standbesuchern zu befassen. Doch dann kommt der Bloggerevent! Es gibt Häppchen (ich klaue mir eine Brezel, habe seit 6:00 früh nix gegessen) und Kreischalarm, als sich liebe Bloggerinnen und Autorinnen in die Arme fallen.

imageEndlich erscheint auch Kollege Andreas Adlon – und er trägt mein Groupie-T-Shirt! Wir machen Fotos.

Ich bin völlig gerührt, dass die Bloggerinnen sogar kleine Geschenke für uns dabei haben! Mandy Töwe hat extra Kekse gebacken, die sie uns liebevoll verpackt überreicht. Wir bekommen Visitenkarten, Angebote für Blogtouren, Bussis. Im Gegenzug machen wir Fotos, signieren uns die Finger wund, füllen die Schüsselchen mit Käse und Weintrauben auf, lachen und schwatzen. Das Sofa wird durch unzählige „Besitzer“ im Sekundentakt strapaziert, jeder möchte ein Sofafoto.

Wo viel los ist, kommen auch viele gucken. Das Fachpublikum bleibt immer öfter an unserem Stand stehen (darum heißt es wahrscheinlich auch „Stand“) und begutachtet das Gewusel mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis. Wer sind diese Schnattergänse und Quasselstrippen mit den weiß-roten Buttons an der Brust? Ahh, Selfpublisher … Manche ziehen die Augenbrauen hoch. Na und? Das hier ist ein Erfolg!

imageBis zur Standschließung hält der Andrang an, wir kommen kaum zum Aufräumen. Als die Gäste weg sind, montieren wir (danke, Horst Drosten!) noch Strahler, um unsere Bücher hübsch in Szene zu setzen. Um halb Acht hetzen wir zur Garderobe, und unter Mitnahme unseres Gepäcks suchen wir endlich eine Kneipe auf, in der es Bier gibt! Bier und etwas zu essen! Der gemütliche Teil beginnt. Zugleich beginnt auch meine Nase zu laufen. Trotzdem wird es ein toller Abend mit Katja Piel, Mel Döring, Katharina Deffland und Andreas Adlon. Und es wird spät.

Wann wir im Hotel einchecken? Um 0:30 Uhr … Ich überrede Katharina und Andreas noch zu einem Absacker. Doch dann bin ich diejenige, die sich vorzeitig verabschiedet, hundemüde, erkältet, schmerzerfüllt (erwähnte ich schon das unpassende Schuhwerk mit den Absätzen?). Aber glücklich!

Freitag, 16.10.:

imageHeute ausschlafen. Ja, und die Zeit reicht sogar für ein ausgiebiges Frühstück! Diesmal ist unser Weg zur Messe entspannt, weil gepäckfrei. Nur Taschentücher habe ich zu wenig. Ich niese, als würde ich dafür bezahlt. Auch noch, als ich das Tischgespräch für angehende Selfpublisher in der Self Publishing Area leite, nur unterbrochen durch dezentes Schniefen.

Jemand möchte wissen, ob es sich lohnt, einen Hochglanzfotoband als Selbstverleger herauszugeben. Ich muss Fragen zu Print on Demand und zum Produzieren einer E-Book-Datei beantworten, man möchte Auskunft über Distributoren, Dienstleister und Druckereien. Nach einer Stunde bin ich heiser. Ach nein, das war ich ja vorher schon. Jetzt bin ich quasi ohne Stimme und mein Kopf fühlt sich an, als habe man ihn mit Drahtwolle vollgestopft.

Kein Wunder, dass ich beim Vortrag von Matthias Matting zu den Chancen des Selfpublishings auf meinem Hocker einschlafe. Ich war wohl doch nicht so ausgeschlafen, wie ich vermutete hatte … Andreas stupst mich an und wirft mir einen tadelnden Blick zu. Schließlich sitzen wir in der ersten Reihe!

Die größte Herausforderung wartet aber noch auf mich: die Leserparty im Walden! Ich stärke mich vorher mit einem Besuch der Apotheke, um weitere Mittelchen gegen meine Erkältung (und vor allem TASCHENTÜCHER) zu erwerben. Die Vorstellung, diesen Abend in hochhackigen Pumps zu verbringen, um am nächsten Morgen um 9:00 mit Ringen unter den Augen für unsere Snapshotparty zu posieren, flößt mir ein gewisses Unbehagen ein.

Tapfer werfe ich mich in mein Paillettenkleid und versuche, meinen erkälteten Gesichtszügen mithilfe diverser Schminkutensilien ein wenig Ansehnlichkeit zu verleihen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Tränende Augen sind leider nicht sehr Make-Up-freundlich …

Egal. Da muss ich jetzt durch. Der Taxifahrer muss sein Navi anschalten, um den Weg zu finden. Er ist nicht der erste. Frankfurter Taxifahrer sind durchweg freundlich und liebenswürdig. Doch scheinen nicht alle über den berufsnotwendigen Orientierungssinn zu verfügen …

Ich erkenne die Lokalität daran, dass Menschen in Abendkleidern davor stehen und rauchen. Zum Glück kenne ich einige davon. Die Disco ist rappelvoll, leckere Häppchen werden herumgereicht. Ich lasse gleich mal eins fallen. Große Gesellschaften sind heute wohl nichts für mich … obwohl alles so liebevoll und perfekt durchorganisiert ist. Nachdem die rührigen Veranstalterinnen Kay Noa und Silvana Haagen wundervolle Blumensträuße überreicht bekommen haben, beschließen meine Kollegin Roxann Hill und ich, den gemütlichen Teil der Veranstaltung nicht mehr abzuwarten. Zu sehr schmerzen jetzt unsere Füße. Von meinem Kopf, den tränenden Augen und dem Niesen will ich gar nicht erst reden …

Wir teilen uns ein Taxi (erstmals benötigt der Fahrer keine Navigationshilfe) und suchen das Weite. Entgegen meiner wochenlang gehegten Befürchtungen liege ich um 23 Uhr im Bett. Nüchtern. Dabei bin ich sonst auf Partys die Letzte! Meine letzte „Amtshandlung“: Ich poste ein Foto der vielfältigen Medikamente und Taschentücher auf Facebook, was mir eine Flut von Likes und Genesungswünschen einträgt.

Sonnabend, 17.10.:

Die nächste Morgenstunde hat nur bedingt Gold im Mund. Meine Zimmergenossin Katharina und ich stürzen das Frühstück im Eiltempo herunter, um den Shuttlebus um 7:55 Uhr noch zu erreichen, der uns jeden Morgen zum Flughafen bringt. Von dort aus beginnt die beschwerliche Reise zum Messegelände, diesmal wieder mit Koffern. Nur, weil Katharina den Busfahrer aufhält, kann ich noch schnell vorher die Rechnung bezahlen. Wir quetschen uns in den überfüllten Bus, direkt hinter uns versucht eine junge Cosplayerin mit einem riesigen pinken Reifrock den Bus zu entern. Beim Aussteigen merke ich, dass ich auf ihrem Rock stehe. Zum Glück kann ich den Fuß rechtzeitig herunternehmen, bevor einer ihrer fünfzig Unterröcke reißt.

Wenigstens kennen wir jetzt die Wege, die wir durch das S- und U-Bahn-Labyrinth nehmen müssen. Es gelingt uns, pünktlich um 9 Uhr am Stand zu sein, exakt eine Minute vor Eintreffen meiner persönlichen Fans und Leser. Leider stelle ich in diesem Moment fest, dass ich meine Kamera im Hotelzimmer habe liegenlassen! Doch ich habe keine Zeit, mich um dieses Problem zu kümmern, denn jetzt öffnen sich die Tore für die Messebesucher, und meine Fanstunde beginnt.

Ich verspüre das erste Mal richtiges Lampenfieber. Was, wenn sie mich doof finden? Was, wenn ich auf diesen Fotos, die Katja von uns schießt, scheiße aussehe? Werde ich meine liebsten Leserinnen überhaupt erkennen, wenn ich ihnen gegenüberstehe?

Gottseidank sind diese Befürchtungen unbegründet. Außer, dass ich auf den Fotos scheiße aussehe (womit ich mich inzwischen aber abgefunden habe), klappt alles überraschend wie am Schnürchen. Ich umarme die liebe Mel Jünke, ich schüttle unzählige Hände, ich signiere drei Dutzend Messemagazine, fünf Taschen, drei mitgebrachte Bücher. Anschließend knipse ich meine Kolleginnen mit ihren Fans, verballere dabei 4 komplette Fotokassetten für die Sofortbilder, die unsere Leserinnen mit nach Hause nehmen können.

imageInimagezwischen hat sich die Halle gefüllt. Unser Stand ist DER Anziehungspunkt, Hunderte bleiben stehen, schmökern in den Messemagazinen, beobachten interessiert unsere Schnappschuss-Aktion auf dem Sofa und blättern in unseren Büchern. Katja Piel, unsere Snapshotchefin, erscheint mit einer pinken Perücke. Natürlich setzen wir sie sofort Andreas auf. Die Fotos sind unbezahlbar! Ich hoffe, er verklagt mich nicht, wenn ich ein paar davon hier zeige 😀

Über all dem Gedränge und Trubel bildet sich ein Lärmteppich aus Gesprächsfetzen, Beifallklatschen vom Nachbarstand und dem Gedudel unseres Präsentationsvideos, das in einer Endlosschleife auf dem extra für dieses Event angeschafften Fernseher läuft. Ach ja, und natürlich Kreischalarm und Gelächter.image

Jo Berger und ich ziehen uns zwischendurch zu einem Rauchpäuschen im Innenhof zurück. An uns laufen Cosplayer in abenteuerlichen Kostümen vorbei. Komischerweise haben die meisten blaue Haare. Sie erzählt, dass das Hotel, in dem sie wohnt, bereits für das nächste Jahr ausgebucht ist. Schade, es liegt direkt neben dem Messegelände!

Mit schlechtem Gewissen machen Katharina und ich uns nachmittags auf den Weg zum Flughafen. Wir bedauern unsere Kollegen, die jetzt einen weiteren Messetag mit noch mehr Andrang aushalten – und das Ganze danach auch noch abbauen und verstauen müssen. Doch wir müssen noch einmal zum Hotel, ich habe meine Kamera dort an der Rezeption hinterlegen lassen. Der Shuttlebus wartet auf uns, während ich sie hole.

Uff! Einchecken! Endlich keine Koffer mehr, die trotz ihrer Rollen zentnerschwer am Handgelenk zerren! Aufatmend begeben wir uns in die Abflughalle. Katharina wiederholt zum dritten Mal ihre Befürchtungen, dass die Koffer nicht in Berlin ankommen, während ich in schmerzerfülltes Schweigen verfalle. Der Schnupfen ist fast weg, dafür breitet sich in meinem Unterkiefer ein rasender Schmerz aus, der Sprechen unmöglich macht. Ich schäme mich, meiner Reisegenossin dieses neue Leiden zu gestehen. Irgendwann muss ich aber doch zugeben, dass ein erneuter Apothekenbesuch vonnöten ist. Denn meine Schmerztabletten sind im Koffer verstaut.

Zum Glück ist sie verständnisvoll und fürsorglich, zapft mir sogar Wasser in der Apotheke und verabreicht mir die rettende Pille. Genau rechtzeitig. Zehn Minuten später kann ich wieder sprechen und sogar eine Suppe essen. Es geht bergauf!

Wir treffen die Kollegin Lucia Vaughan, die gleichzeitig mit uns heimfliegt, und nutzen die Zeit vor dem Boarding noch zu einem gemütlichen Plausch.

Im Flugzeug spüren wir erstmals die Müdigkeit, die bisher von den Adrenalinmengen in unseren Adern in Schach gehalten wurde. Wir sind uns einig: Das war es wert. Und wir tun es wieder. Spätestens im März in Leipzig!

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